Diagnose Krebs

DIAGNOSE:  Krebs I

Es war im Juni 1984 als mein Hausarzt mir sagte “Sie haben wahrscheinlich Nierenkrebs“, wie kam es zu dieser Diagnose? Ich hatte gerade eine Gallenblasen-OP hinter mir und mein Arzt wollte sich einmal mit Ultraschall das Operationsgebiet ansehen. Dabei entdeckte er eine Veränderung an der rechten Niere.

Dann ging alles ganz schnell, ein CT und eine Angiographie wurden gemacht und es stand fest, ich hatte einen tennisballgroßen Tumor, ob er bösartig war konnte man mir noch nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es Krebs war, war groß. So saß ich bei meinem Arzt und ließ meinen Tränen freien Lauf. Man versuchte mich zu beruhigen, die Chancen auf Heilung seien sehr gut und mit einer Niere könnte man auch alt werden. Welche Wahl hatte ich denn überhaupt? Ja, ich hatte doch wahrscheinlich Krebs und das bedeutete doch, dass man in absehbarer Zeit sterben wird, warum also noch eine solch schwere Operation?

Schwer niedergeschlagen kam ich nach Hause. Als ich meiner Frau die Diagnose mitteilte war sie genau so traurig und niedergeschlagen wie ich, wir nahmen uns in den Arm und weinten gemeinsam, dann unterhielten wir uns darüber wie es weitergehen könnte. Wir fanden keine für uns sinnvolle Alternative, also musste ich mich operieren lassen.
So kam ich ins Städtische Krankenhaus Solingen und wurde dort behandelt wie jeder andere Patient auf der Station. Ich fühlte mich nicht genug beachtet, denn schließlich wollte man mir eine Niere entfernen.
Keiner sprach mit mir über Krebs, sondern es ging immer nur um das Entfernen der Niere.

Erst bei einer speziellen Röntgenuntersuchung, der Lymphographie, sprach mich eine Schwester auf den Krebs an und machte mir Mut. Ich musste weinen, denn mir fehlte ein Ventil wo ich meine Sorgen, meine Angst und sonstigen Gefühle rauslassen konnte. Meine Frau konnte ich doch nicht noch mehr belasten, sie hatte doch schon genug Angst und Sorge. Wo waren Freunde und Verwandte? Die hatten sich zum Teil aus Unkenntnis und Unsicherheit zurückgezogen. So wurde ich also operiert, die Operation verlief zufriedenstellend und ich konnte planmäßig aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ich musste mich jetzt erholen, um fit zu sein für die nachfolgende Strahlentherapie.

In dieser Zeit passierte einiges was sehr wichtig war für meine weitere Entwicklung. Als praktizierender Christ bekam ich wieder großes Gottvertrauen, “der Herr wird mich nicht durch eine Operation retten und anschließend sterben lassen“. Mein Arbeitgeber gab mir eine Arbeitsplatzgarantie, dadurch wurde mir die Existenzangst genommen und ich konnte mich auf mich besinnen. Auch mein Umfeld hatte sich für mich positiv verändert man sah die Chance, dass ich überleben könnte.
Während der Strahlentherapie kam es zu den, bei vielen bekannten Begleitumständen wie Erbrechen und Durchfall. Aber das zu überstehen war nur noch eine Kleinigkeit. Ich wurde von meiner Einstellung her immer positiver, ich hatte die Operation und Strahlentherapie gut überstanden und die Nachuntersuchungen blieben ohne Befund.
Nun stand die erste Nachsorgekur an, ich kam in den Schwarzwald nach Nordrach in die Winkelwaldklinik.

Hier, so sage ich noch heute habe ich ein zweites zu Hause, eine zweite Familie gefunden. Im Sanatorium gab es nur Krebskranke, man konnte gut über vieles reden, die Ärztin Frau Dr. Niederberger nahm sich viel Zeit für ihre Patienten, sei es im Einzel-gespräch oder in der Gruppe. Man verbrachte viel Zeit mit seiner selbst gewählten Gruppe, ging spazieren, klönte miteinander und saß am Abend bei einem Glas Wein zusammen. Für mich war wichtig, festzustellen, dass andere noch viel schwerer getroffen waren als ich. In der Gruppe fühlte ich mich geborgen, verstanden und aufgefangen. Insgesamt war ich drei mal in Nordrach und es war immer eine schöne Zeit an die ich mich auch heute noch gern erinnere.

Im April 1985 begann ich wieder zu arbeiten und in regelmäßigen Abständen standen die Nachsorgeuntersuchungen an, denen ich immer wieder mit Unbehagen entgegensah. So hatte der Alltag mich wieder.

DIAGNOSE: Krebs II

Nun sind wir im Jahr 2000 angekommen, bei einer Ultraschall-Untersuchung wegen der ich zum Nephrologen musste, wurden an der linken Niere Flecken entdeckt die darauf schließen ließen, dass es keine Zysten waren. Also  wurde ein CT gemacht um wirklich sicher zu sein, dass es keine Zysten waren, dieser Verdacht bestätigte sich.

Niedergeschlagen kam ich nach Hause nach fast genau 16 Jahren hatte der Krebs mich wieder eingeholt. Aber anders als beim ersten Mal konnte ich damit umgehen, zumal man mir Hoffnung machte, dass man versuchen würde, Nierenerhaltend zu operieren. Mir war klar, in der Konsequenz konnte es aber auch auf eine Dialyse hinauslaufen. Das Krankenhaus war das gleiche wie beim ersten Mal, ich war mir sicher, dass alles gut gehen würde und nachdem die bekannten Untersuchungen (Lunge röntgen, Niere röntgen, Angiographie) gemacht worden waren, kam der Tag der Operation.

Auf der Intensivstation wurde ich wieder wach und mir wurde mitgeteilt, dass man die Niere erhalten konnte, sie war auf Grund ihres Alleinseins größer geworden als normal, so dass es da keine Probleme gab. Nach einem Tag Intensiv kam ich wieder auf mein Zimmer und ich war wohlauf, bis ich Schmerzen im Bauch bekam, dann weiß ich eigentlich nichts mehr.

Meine Familie wurde gerufen, ich hatte Nachblutungen und musste schnellstens wieder aufgemacht werden. Dann folgte wieder die Intensivstation wo ich 10 Blut – Konserven bekam, dann nach zwei Tagen war auch das überstanden und die Freude war auch bei dem Personal groß, als ich wieder auf die Station kam.

Entlassen wurde ich planmäßig, da meine Genesung gut voran ging. Zur Reha kam ich nach Bad Nauheim. In der Kurpark-Klinik bemühte man sich sehr, aber die Atmosphäre wie in Nordrach kam in dem gut organisierten, modern geführten Haus nicht auf. Eine Strahlentherapie wie bei der ersten OP macht man heute nicht mehr. Nun gehe ich die ersten 2 Jahre jedes ¼ Jahr zum CT und zum Urologen (auch Ultraschall- und Blutuntersuchung). Einmal im Jahr gehe ich zusätzlich noch zu einem Nephrologen.

So, das wäre der eine Teil meiner Geschichte, sie geht aber noch weiter. In den 16 Jahren, war ich insgesamt drei Jahre arbeitslos, hatte eine Hüftoperation und mein schon seit längerer Zeit bekannter Diabetes wurde Insulinpflichtig. Das alles zusammen ließ mich den Entschluss fassen, die Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen, ich hatte einen GdB von 80% mit einem G. Diesem Antrag wurde entsprochen und so bin ich im Jahre 2000 EU-Rentner geworden.

Fazit:

Die Diagnose Krebs ist kein Todesurteil. Man sollte sich mit der Krankheit auseinandersetzen, denn sie ist eine Herausforderung an Körper, Geist und Seele. Reden Sie über Ihre Beschwerden, egal ob sie seelischer oder körperlicher Art sind, sagen Sie Ihrem Partner wie Sie sich fühlen, nur so können Sie Hilfe erwarten.

Finden Sie zu sich selber, nehmen Sie sich Zeit für sich, sind Sie mal egoistisch, versuchen Sie einen Weg zu Gott zu finden, dann wird vieles einfacher. Ganz wichtig, lernen Sie positiv zu denken, lesen Sie darüber, vielleicht verhindert Optimismus keine Krankheit, aber man geht mit Sicherheit anders damit um.

Ich hoffe, ich habe Ihnen Mut gemacht, sich auch weiter auf das Leben zu freuen.

Dank:

Danken möchte ich meiner gesamten Familie nebst Schwiegerkindern, unsern Freunden, sowie allen Ärzten, Krankenschwestern, Pflegern und dem gesamten Krankenhaus-personal. Danken möchte ich aber auch den unbekannten Blutspendern ohne deren Hilfe ich vielleicht gestorben wäre.
Nicht zuletzt möchte ich auch den Forschenden danken, die ihre Arbeitskraft aufwenden, um den Krebs zu besiegen. Uns Allen wünsche ich, dass die Forschung bald Erfolg hat und der Krebs besiegt wird, denn dann gäbe es weniger Leid auf unserer Erde.

Herr, in deine Hände lege ich all meine Angst, bitte gib mir Trost.

Autor: Hans Scholz

Hans Scholz, geb. im September 1944, seid 1977 verheiratet mit Clarissa. Vater von 2, mittlerweile erwachsenen Kindern, Natascha und Raphael. EU-Rentner seid 2000, zuletzt ausgeübter Beruf: Lagerverwalter

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